Über den Begriff “Gastarbeiter”

Historisch gesehen gibt es Gastarbeiter schon seit Jahrhunderten. Bereits im Mittelalter luden norddeutsche Landesfürsten Holländer ein, auf ihrem Territorium zu leben und zu arbeiten, um die Sümpfe trocken zu legen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieses Verfahren jedoch formalisiert: Gastarbeiter sind demnach Ausländer, die aufgrund eines Anwerbeabkommens für eine befristete Zeitspanne in der Bundesrepublik (und auch der DDR) arbeiten sollten. Entsprechende Abkommen unterhielt Deutschland mit Italien, Spanien, Griechenland, der Türkei, Marokko, Portugal sowie Jugoslawien. Inzwischen sind die Verträge ausgelaufen und aufgrund der EG, bzw. später EU, sah Deutschland keine Notwendigkeit, sie zu verlängern.

Gastarbeiter für den Wiederaufbau Deutschlands

In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden erstmals Stimmen laut, die nach ausländischen Arbeitskräften riefen. Deutschland war noch immer vom Krieg gezeichnet und es fehlte an Menschen, um den Wiederaufbau voranzutreiben. Immer noch waren Tausende deutscher Männer in Kriegsgefangenschaft. Diese kehrten zwar einige Jahre später wieder zurück, doch 1961 schloss die DDR durch die Mauer das Tor für Ostdeutsche zum Westen. Der stetige Arbeitskräftestrom, der dem Westen bis dahin geholfen hatte, brach zusammen. Zeitgleich wuchs die deutsche Wirtschaft jedoch dramatisch und rief immer lauter nach mehr Personal. Um den Wachstumsmotor in Gang zu halten, schloss die Bundesrepublik die Anwerbeabkommen. Erst mit der Ölkrise 1973 entschied sich die Bundesregierung für einen vollständigen Stopp der Anwerbungen.

Fast parallel lief die Entwicklung in der DDR: Der Osten hatte Millionen Menschen an den Westen verloren. Ausländisches Fachpersonal sollte diese Verluste auffangen, doch die Anwerbungen liefen nicht annähernd so erfolgreich wie im Westen.

Kritik und das “Integrationsproblem”

Keine der Regierungen, die für die Anwerbungen der Gastarbeiter verantwortlich waren, hielt eine gezielte Integrationspolitik für notwendig. Dieser Umstand rächte sich: Viele der Gastarbeiter gingen nicht nur nicht nach Hause, sondern holten ihre Familien nach, die kein Deutsch lernten und zumeist in eigene Stadtteile zogen. Von 1954 bis 2006 kamen 36 Millionen Menschen nach Deutschland, nur 27 Millionen gingen wieder. Eine 2009 im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführte Studie berechnete zudem, dass rund 15 Millionen Personen, die in heute in der Bundesrepublik leben, zumindest teilweise (über ein Elternteil) einen Migrationshintergrund haben. Dieser Wert entspricht fast einem Fünftel der Gesamtbevölkerung.

Obwohl es viele gelungene Beispiele dafür gibt, wie sich Kinder und Enkel der Gastarbeiter gut in die Gesellschaft einfügten, so gilt die mangelnde Integrationspolitik dennoch bis heute als Ursache für viele Probleme, wie Rechtsextremismus und latente Fremdenfeindlichkeit.Es bleibt zu hoffen, dass hier in den nächsten Jahren eine positive Entwicklung zu beobachten ist.

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