Vom Partisanenkämpfer zum Staatspräsidenten: Josip Broz, genannt Tito

Er entstammte einer kleinbäuerlichen Familie, kämpfte im Partisanenkrieg erfolgreich gegen die Besatzer aus Nazideutschland, und verband als Staatschef im realsozialistischen Jugoslawien autoritäre Innenpolitik mit ausgleichsbedachtem Handeln auf der Bühne internationaler Politik: Josip Broz, genannt Tito. Er starb 1982, doch die Erinnerung an ihn, und an die durch ihn verkörperte Ära, erlebt derzeit wieder einen Aufschwung.

Bauernkind, Soldat und Revolutionär

Geboren wurde Josip Broz als Kind von Bauern am 7. Mai 1892 im kroatischen Kumrovec, das damals zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gehörte. 1907 begann er eine Ausbildung als Schlosser in der kroatischen Stadt Sisak. Hier kam er erstmals mit sozialistischem Gedankengut in Berührung und schloss sich der Sozialdemokratischen Partei von Kroatien und Slowenien sowie der Metallgewerkschaft an.

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, kämpfte er auf der Seite Österreich-Ungarns gegen Serbien. Im Russischen Bürgerkrieg schlug er sich auf die Seite der Bolschewiki. In seiner Heimat wirkte er ab 1920 als Mitglied der Kommunistischen Partei Jugoslawiens, zu deren Führer er 1937 aufstieg.

Partisan und Staatschef Jugoslawiens

Nachdem die Streitkräfte des Königreichs Jugoslawien im Zweiten Weltkrieg den Widerstand gegen die deutschen, italienischen und ungarischen Aggressoren aufgegeben hatten, organisierte Josip Broz den Partisanenkrieg gegen die Besatzer. Als Marshall der Volksbefreiungsarmee Jugoslawiens und ab 1943 an der Spitze des Antifaschistischen Rats der Nationalen Befreiung erwies er sich als fähiger Verteidiger seines Landes. Gleichwohl machten sich seine Truppen am Ende des 2. Weltkriegs der Massenvertreibung und Exekutionen von Zivilisten schuldig, die als Kriegsverbrechen gewertet werden.

Nach der Gründung der Volksrepublik Jugoslawien gelang es Josip Broz, der sich bereits seit den 30er Jahren “Tito” nannte, die Unabhängigkeit seines Landes gegenüber der Sowjetunion zu behaupten. Diese Haltung führte 1948 zum endgültigen Bruch zwischen Tito und Stalin. Als Ministerpräsident und ab 1953 als Staatspräsident hielt Tito den eigenständigen Kontakt zu den Westmächten aufrecht und war während des Kalten Kriegs ein wichtiger Vertreter der Bewegung der Blockfreien Staaten.

Auch wenn Titos Jugoslawien nicht frei war von repressiven Elementen, kennzeichnete die Volksrepublik doch eine größere innenpolitische Liberalität als die Sowjetunion und die anderen Staaten des Warschauer Paktes. In Serbien, Slowenien, Mazedonien und anderen ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken wurden insgesamt acht Städte nach Josip Broz Tito benannt.

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