Religionskonflikte in Mazedonien

Überall, wo Menschen mit verschiedenem ethnischen und religiösen Hintergrund in einem Staatsgefüge zusammenleben, existiert eine unterschwellige Spannung, die in gewissen Momenten zum Ausbruch kommen kann. Dies ist auch in Mazedonien der Fall.

Betrachtet man die Region, in der das heutige Mazedonien liegt, so stellt man fest, dass hier seit jeher das orthodoxe Christentum und der Islam dominierten. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde die Region von den Osmanen erobert und blieb bis 1912 unter deren Herrschaft.

Die sunnitischen Osmanen brachten auch ihre Religion mit ins Land und im Laufe der Jahrhunderte nahmen viele Albaner und Mazedonier der Region den neuen Glauben an. Der Islam hat also Wurzeln in Mazedonien, die viele Jahrhunderte zurück gehen.

Zumeist haben die Mazedonier einen Weg zu einem Zusammenleben gefunden, der es erlaubt, dass Anhänger beider Religionen friedlich miteinander leben.

Konflikte seit dem späten 19. Jahrhundert

Erst seit dem späten neunzehnten Jahrhundert, mit dem Aufkommen des Nationalismus ist es häufiger zu Auseinandersetzungen der beiden Religionsgruppen gekommen.

Mit dem Verfall Jugoslawiens im Jahr 1991 wurde Mazedonien zu einem unabhängigen Staat. Dabei sind die im Land lebenden Albaner, die zumeist dem Islam angehören, in der Minderheit.
Im Jahr 2001 kam es zu ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen Albanern und Mazedonieren. Albanische Guerilla Truppen besetzten einige Dörfer, um ihren Forderungen für mehr Minderheitsrechte Nachdruck zu verleihen. Die Kämpfe dauerten mehrere Monate an und konnten nur durch ein Eingreifen der EU kontrolliert werden.

Ein ethnischer Konflikt wurde hier gleichzeitig auch zu einem Religionskonflikt. Man kann davon ausgehen, dass die Mazedonier in ihrer großen Mehrheit orthodoxe Christen sind, während die Albaner dem Islam angehören. Somit ist diese blutige Auseinandersetzung in Mazedonien als Grenzkonflikt zwischen dem westlichen und dem islamischen Kulturkreis anzusehen. Schließlich wurde ein Friedensvertrag ausgearbeitet, in dem den albanischen Minderheiten mehr Rechte versprochen wurden.

Probleme eine multiethnischen Nation mit verschiedenen Religionen

Wie die jüngsten Konflikte verraten, bleibt das Grundproblem jedoch ungelöst. In einem slawischen Dorf sollen im Karneval 2012 Witze über den Islam gemacht worden sein, worauf islamische Bevölkerungsteile erbittert reagierten.

Auch wenn es sich hier nur um ein vereinzeltes Problem handelt, so lässt es doch klar den ungelösten Konflikt erkennen. Die christlich-orthodoxen Bevölkerungsteile verstehen sich als Nominalvolk, was ihre muslimischen Landsleute automatisch in eine Minderheitenrolle drängt.

Die slawischen Mazedonier fürchten jedoch schon heute, dass dieser Umstand nicht immer gegeben sein wird. Die Geburtenrate unter der islamischen Bevölkerung ist nämlich wesentlich höher als die der orthodoxen Christen. Schon zur Jahrhundertwende könnte sich die slawische Gemeinde in die neue Minderheit verwandeln, was diese zutiefst beunruhigt.

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